AMWINDSEGEL

Von den „Weißen Segeln“ spricht man bei Großsegeln und Amwind-Vorsegeln – im Gegensatz zu den „Bunten Segeln“ wie Spinnakern.
Besonders der Zustand der Amwind-Segel beeinflusst das Segelverhalten sehr stark. Schlechte oder zu alte Segel produzieren unverhältnismäßig viel Krängung, lassen das Boot schnell stampfen, machen es langsam und sind nicht selten die Ursache für generell unbefriedigende Segeleigenschaften des gesamten Bootes.
Während sich ein schlechtes Groß vor allem in fehlender Geschwindigkeit bemerkbar macht, liegt starkes Stampfen des Bootes meist an einer schlechten Genua, die nicht die nötige Kraft entwickelt, um das Boot durch die Welle zu treiben.
Gute Segelprofile ermöglichen dagegen mehr Höhe am Wind und verbessern die Manövriereigenschaften des Bootes teils erheblich.
Daher ist es auch für Fahrtensegler sinnvoll, die Segel nicht so lange zu fahren, bis sie buchstäblich aus­einanderfallen, sondern rechtzeitig für Ersatz zu sorgen. Schließlich sind die Segel der Motor des Bootes.
Wegen der vielfältigen Materialien und Schnitte, die heute erhältlich sind, wollen wir Ihnen eine Über­sicht über die verfügbaren Möglichkeiten für Ihr neues Segel geben.
Bei allen „Weißen Segeln“ ist man nämlich schon lange nicht mehr auf das weiße Dacron beschränkt, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien steht nicht nur Regatta-, sondern auch Fahrtenseglern offen. Gleichzeitig haben sich verschiedene Schnitte etabliert.
Generell gibt es für Groß- und Vorsegel zwei verschiedene Materialien: zum einen traditionelles Tuch im eigentlichen Sinne, also ein gewebtes Material, und zum anderen die Laminate.
Laminate bestehen aus verschiedenen Materialien, die laminar, d. h. in Schichten aufeinander geklebt werden. Dabei werden die Fasern, die im fertigen Segel die Kräfte aufnehmen, zwischen zwei Folien geklebt. Diese Folien haben verschiedene Aufgaben: sie halten die Fasern in ihrer Position, sie ermögli­chen das Verkleben von mehreren Lagen (in Nähten oder Dopplungen), und sie verhindern natürlich, dass der Wind durch das Segel hindurchwehen kann.
Um die Vorteile von Laminaten gegenüber Geweben aufzuzeigen wollen wir uns zunächst klarmachen, wie herkömmliche Segeltuche hergestellt werden:

Beim Weben werden im Webstuhl zunächst die sogenannten Kettgarne ausgerichtet, die in Richtung der Tuchrolle verlaufen. Sie liegen abwechselnd oben und unten. Der Schussfaden wird dann zwischen den Kettfäden hindurch- “geschossen“. Dabei werden die Schussfäden relativ gerade gelegt, und die Kettfäden liegen schlangenförmig um sie herum. Diese Wellenform bezeichnet man als Crimp.
Wenn das Segel nun belastet wird, wird sich eine gewellte Faser logischerweise etwas dehnen. Also versucht man, die Hauptlasten in Richtung der gestreckten Schussfäden zu legen. Daher wird gewebtes Tuch in Horizontalschnitten verarbei­tet, wobei die Hauptlast quer zur Tuchbahn (und damit auf den Schussfäden) liegt. Natürlich liegen die Lasten im Segel aber nicht nur in einer Richtung, das Tuch muss also noch weitere Kräfte aufnehmen, die nicht in Schussrichtung liegen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein Segeltuch sollte möglichst eng gewebt sein, zum einen, damit sich die gewellten Kettfäden möglichst wenig dehnen können, und außerdem, damit ausreichende Festigkeit auch in diagonaler Richtung gegeben ist. Für zusätzliche Festigkeit werden die Fasern mit einem Harz behandelt, dass dem Gewebe eine höhere Formstabilität verleiht. Im Laufe der Zeit wird die Verbindung des Harzes mit dem Tuch aber schlechter. Daher sind alte Segel auch viel weicher als neue. Generell ist der Verlust der Harzung einer der Hauptgründe für das Altern von Segeln.
Das Konzept der Laminate ist dagegen ein ganz anderes: Während ein Tuch seine Formfestigkeit durch das Verweben erhält, liegt die Festigkeit der Laminate an der Verklebung zwischen zwei Folien. Ein Verweben ist nicht mehr nötig, so dass die Garne als flache Faserbänder übereinandergelegt werden können. Das Hauptproblem der Tuche, der Crimp, lässt sich damit bei Laminaten vermeiden. Des­wegen haben sie viel weniger Reck und sind deutlich formstabiler. Ihre Festigkeit wird nicht mehr durch die Webtechnik begrenzt, sondern erst durch die Festigkeit der Fasern.
Ein weiterer Vorteil der Laminate liegt in den effektiveren Schnitten:
Generell gibt es zwei Segelschnitte: den „klassischen“ Horizontalschnitt und den Radialschnitt. Beide haben eines gemeinsam: sie bestehen aus einzelnen Teilen, den Paneelen, und die Kräfte müssen problemlos von einem Paneel an das nächste weitergeleitet werden.
Ein Tuch muss aber immer längs der Kett- oder Schussfäden geschnitten werden, um die Kräfte weiterleiten zu können, und um Wellenbildung im Segel zu vermeiden.
Beim Laminat ist das anders. Dank der Folie ist eine effektive Verbindung bei jedem Schnittwinkel gegeben. Hier kann man die Last jederzeit entlang der einzelnen Paneele ausrichten.
Trotzdem gibt es aber auch immer Lasten, die nicht exakt in Kettrichtung laufen. Diese werden durch zusätzliche Fasern aufgenommen, die in definierten Winkeln zum Kettfaden liegen.

Durch die Ausrichtung der Faserbündel entlang der Lastlinien kann man viel leichtere Segel bei gleicher Festigkeit bauen. Während herkömmliches Gewebe auch dort viel Material bereitstellt, wo kaum Last auftritt, minimiert der Radialschnitt die Materialstärke.
Dennoch sollte man eines beachten: die Stärke eines radial geschnittenen Laminatsegels liegt nicht nur in seinem geringeren Gewicht, sondern ebenso in dem viel reckärmeren Material. Der Bauch eines Laminatsegels wird nicht so schnell nach achtern auswandern und das Profil zerstören, wie dies bei einem Segel aus Tuch der Fall ist.
Neben den aus Paneelen zusammengesetzten Segeln gibt es jedoch noch eine weitere Laminiertechnik, die besonders für ambitionierte Segler reizvoll ist.
Diese Technik ist unter dem Namen 3DL (Patent von North Sails) bekannt geworden, und in den letzten Jahren von anderen Herstellern noch entscheidend verbessert worden. Besonders interessant ist hier die D4-Technik von Dimension Polyant, die einige entscheidende Vorteile bietet.
Zuerst ist diese Technik nicht wie 3DL auf einen Hersteller beschränkt. Ihr Segelmacher wird seine Order an Dimension Polyant schicken und das Segel dort als vorbereitete Teile bestellen, die dann wiederum vom Segelmacher verklebt und konfektioniert werden. Die Segel werden also nicht im Stück gefertigt, sondern als Sektionen. Diese Technik bietet den Vorteil, dass die Fasern nicht durch das ganze Segel laufen müssen. In den weniger belasteten Segmenten werden überflüssige Fasern einfach weggelassen. Möglich wird dies durch eine wesentlich bessere Verklebung.
Diese Verklebung ist übrigens auch ein Grund, weswegen wir bei Faber+Münker diese Segel mit besonders gutem Gewissen anbieten können: normalerweise wird ein Segelmacher die sorgsam laminierten Paneele einfach vernähen und somit durch Nadel und Faden unweigerlich schwächen. Wir haben den großen Vorteil unserer Q-Bond-Klebemaschine. Damit können wir die Nähte so fest verkleben, dass eine Naht überflüssig wird. Dass diese Verbindung haltbarer ist als eine Naht in der dünnen Laminatfolie, ist leicht nachvollziehbar.
Die ursprünglichen Probleme der großflächig laminierten Segel haben die Hersteller übrigens schon im Griff. Die ersten so produzierten Segel waren sehr empfindlich und extrem teuer. Heute werden auch Segel für Fahrtensegler produziert, die durch spezielle Beschichtungen extrem widerstandsfähig sind.