Baltic Sprint Cup 2009

Berichte von Susanne Sartori und Dirk Stücker

Am Freitag den 17. Juli trafen wir nach und nach in Warnemünde ein und konnte eine gründlich vorbereitete „needles and pins“ von der sehr engagierten Überführungscrew übernehmen. Das Wetter war lausig- es regnete in Strömen, aber die Windvorhersage prophezeite eine schnelle Reise gen Bornholm. Der erste gemeinsame Abend im Sailing Center des WSC verlief eher „feucht- fröhlich“, denn schließlich mussten wir ja noch unser Geburtstagskind –Ole begießen.
Leg 1 Warnemuende- Rønne ( Bornholm)
Am Samstag morgen schlossen wir die letzten Vorbereitungen ab und sobald wir abgelegt hatten wurde auch endlich der Regen langsamer. Der Start war ein echter Leckerbissen für die nicht vorhandenen Zuschauer, denn wir starteten direkt in der Mündung der Warnow und unsere erste Bahnmarke war die Stb Hafeneinfahrt. Danach ging es auf eine nicht mehr enden wollende Kreuz von 7 sm, wobei der Wind auf bis 2o-22 kn zulegte. Als Belohnung durften wir dann an der Reede Tonne 2 den Gennaker setzen und auf ging es Richtung Rügen. In der ersten Stunde knackten wir die 20 Kn mehrfach und erreichten sogar den Top Speed von 22,4. Am späten Nachmittag nahm der Wind ab und wir begannen vor dem Wind zu kreuzen, die Bb Wache übernahm um 17h die erste Schicht. Die Nacht über schwankte der Wind zwischen 8-12 kn. Unsere einzigen sichtbaren Gegner waren einige Kümos in der Kadettrinne, die nicht immer leicht zu passieren waren. Dennoch erreichten wir Rønne gegen kurz nach 6 h morgens ohne nennenswerte Zwischenfälle.
In Rønne wurden wir freundlich begrüßt und fanden schnell einen geeigneten Liegeplatz neben unseren Freunden von der „Utsider“. Da dass Schiff doch sehr nass war stockten wir um ein Hotelzimmer auf, um alle wieder sauber und vor allen Dingen trocken zum Open Air BBQ im Fischereihafen zu erscheinen, hier zeigte Bornholm uns dann auch gerade passend seine sonnige Seite.
Leg 2- Rønne – Våstervik (Schweden)
Nach der üblichen Segler Parade hatten wir am Montagmorgen noch reichlich Zeit bis zum Start. Da vor dem Hafen eine ordentliche Welle stand, hielten sich viele Boote länger im Vorhafen auf, um sich auf den Start und die 225 Meilen nach Västervik vorzubereiten. Nach einer kurzen Kreuz ging es auf einen Reach. Unter Genua konnten wir uns auf die Heckwelle der „Synfonie Sylt“ setzen und fuhren dort eine Stunde mit 10-11 kn munter mit, bis der Kurs noch raumer wurde und wir den Gennaker setzen konnten. Am späten Nachmittag zog eine dunkle Wand hinter uns auf, nach den ersten Böen um 22-24 kn wechselten wir auf den kleineren Gennaker. Die Hanø Bucht überquerten wir bei 2 m Welle und erreichten Øland bei Sonnenuntergang. Bei flachem Wasser und um die 10-12kn Speed konnten wir zunächst auch bei Dunkelheit den Gennaker weiterfahren, gegen Mitternacht drehte der Wind jedoch rechts und wurde wieder stärker, so dass wir auf die Genua wechselten.

Gegen Mitternacht erreichte uns die Nachricht über den Unfall und die Suche nach Sabine Jüttner-Storp, sowie den Regatta-Abbruch. Da wir über die näheren Umstände keine Informationen hatten und von einer Suchaktion gesprochen wurde, hofften wir alle, dass Sabine bald gefunden werden würde. Dass dies gar nicht mehr möglich war, erfuhren wir erst morgens als wir in Västervik einliefen.
Nach Abbruch der Wettfahrt fuhren wir im Cruising Modus weiter und erreichten Västervik durch die südliche Zufahrt gegen 9 h morgens.
Da wir unterwegs zeitweise sehr viel Wasser durch den Ruderkoker genommen haben, war das Schiff und unsere Sachen sehr nass und zusätzlich durch die leckende Hydraulik verölt. Unser Werksteam machte sich sofort Gedanken, wie man die Wassereinbrüche wenn schon nicht aufhalten konnte, dann aber beseitigen könnte - und so wurde kurzer Hand die Pumpe umgebaut. Durch einen glücklichen Zufall landeten wir dann in einem Bed and Breakfast, dass nicht besser hätte sein können.- So waren die drei Tage eine schöne Abwechslung und sehr erholsam.
Leg 3 – Våstervik- Liepaja (Lettland)
Der anfänglich frische Wind kurz vor dem Start flaute jedoch schnell ab und so wurden die ersten Stunden auf dem Weg nach Liepaja sehr lang. Wieder einmal hatten wir den Gennaker nach der Startkreuz oben, nach ein paar Stunden begann der Wind jedoch links zu drehen um später wieder zuzulegen. Durch diesen Kurs waren wir diesmal mit vielen Booten unterwegs und konnten so einige sinn/-lose Luvkämpfe beobachten- mit „Daikin“ segelten wir lange Seite an Seite, bevor wir sie an der Südspitze von Gotland abhängten. Unter Genua und vollem Gross fuhren wir die Küste von Gotland Richtung Süden und rundeten die Südspitze am frühen Abend. Dort entschieden wir uns für den A4, da Wind und Welle uns den großen Gennaker hätte kosten können. In der Nacht überholten wir dann wieder die „Synfonie…“ und „Aquis Granus“ . Später in der Nacht wechselten wir jedoch auf den größeren A2. In den Morgenstunden sichteten wir die ersten Schornsteine von Liepaja, die wir jedoch vorerst für Gegner vor uns hielten.
Als wir am frühen morgen einliefen zählten wir zu viele Masten im Hafen, es stellte sich jedoch schnell raus, dass nicht alle schneller waren als wir, sondern dass viele Yachten, direkt von Bornholm kommend, das Feld der Baltic Sprint Cup Flotte wieder trafen. Nach einem Einlaufbier machten sich unsere Bastler an die Ruderanlage, die komische Geräusche machte und auf die Suche nach dem Leck in der Hydraulik- jedoch ohne Erfolg. Und so wurde nach Rücksprache mit den Herstellern oder Lieferanten beschlossen, den Hydrauliktank vollständig aufzufüllen und dass die Ruderanlage durchhalten müsste. Nach einem guten Frühstück im Hotel planten wir unseren letzten Tag, denn Ole, Tinne und ich sollten unser erfolgreiches Werksteam am Abend Richtung Heimat verlassen.
Susanne Sartori

Baltic Sprint Cup 2009, Teil 2
Auch längerfristige Wetterprognosen können heutzutage erstaunlich zuverlässig sein – so haben wir es leider erfahren müssen. Der zweite Teil des Baltic Sprint Cups begann für Ute Hecht, Aki Müller-Deile und mich als Ablösecrew schon etwa eine Woche vor dem Regattastart in Liepaja an der lettischen Westküste mit dem immer wieder hoffnungsvollen Blick auf die Wetterdienste und dem erfolglosen Flehen, die letzten Vorhersagen würden berichtigt werden, ein Skandinavienhoch möge sich ausbilden und „Needles and Pins“ die mit einer Ostwindlage verbundenen geliebten raumen Winde für die Rücketappen nach Travemünde bescheren.
Aber so kam es nicht, und so verließen wir am Vormittag des 27. Juli 2009 den ehemals großen sowietischen Kriegshafen gegen den Westwind; wir führten mit unseren Freunden von der „Utsider“ die Auslaufparade an, das Marinemusikcorps spielte, die netten Letten winkten zum Abschied, und nicht nur wir fühlten uns an die entsprechende Szene aus dem Film „das Boot“ erinnert.
Nach dem Start durften wir die Kreuz nach Swinoujscie nicht sofort beginnen, sondern mussten einen „up and down“ – Kurs absegeln, den wir nach einem sauberen Start direkt an der Tonne erfolgreich absolvierten. Anschließend war kaum Raum für taktische Spielchen: Seit Tagen war für Montagabend ein deutlicher Linksdreher vorhergesagt, also auf Bb-Bug ab in die Danziger Bucht, umlegen und auf Stb – Bug auf Swinemünde zuhalten – genau so kam es auch, wir hatten alles richtig gemacht…, aber die Konkurrenz eben auch. Die letzten 30 sm gerieten dann zu einem Flautenpoker; wir benötigten die ganze Nacht zu Mittwoch bis ins Ziel, und die Wahl unserer Schläge war wohl nicht immer glücklich. Jedenfalls gingen die nach uns einlaufenden Boote mit Wind bald über die Ziellinie, und nach berechneter Zeit war ein Spitzenplatz nicht mehr möglich.
Svinemünde erschien uns deutlich lebhafter als Liepaja: Ein geschäftiger Fährverkehr, ein recht stark frequentierter und gut ausgebauter Yachthafen und ein preiswertes Essen in einem netten Restaurant zeigten uns, dass diese polnische Stadt westlichen Standard längst erreicht hat.
Bereits am Donnerstag war Start zur letzten Etappe des BSC nach Travemünde. Nachdem uns eine „Privatflaute“ östlich von Rügen zur Weißglut gebracht hatte, wurde es die erwartete Zielkreuz mit Wind aus etwa 235° - eine harte Kreuz mit schwerer Genoa und einem Reff im Groß, die „Needles and Pins“ zu liegen schien. Aber es war nicht sonderlich komfortabel an Bord und Uli, immerhin unser Kapitän, leistete Unglaubliches, als er bei den harten Schlägen des Kohlefaserrumpfes das Essen zubereitete und im Abstand von 15 Minuten das über defekte Ruderlager in wahren Kaskaden eindringende Wasser wieder in die Ostsee beförderte.
Kurz vor der Ziellinie überholten wir den späteren Sieger nach ORC-Club, die IMX 40 „Imagine“, indem wir in Lee unter ihnen hindurchfuhren. Aber berechnet reichte es nicht, wir wurden zweites Schiff in der Gesamtwertung.
In Travemünde hatte Aki die beste Adresse für uns reserviert: Das Eckhaus der Familie Blohm mit dem direkten Blick auf die „Passat“ und das Treiben der Travemünder Woche.
So ging bei schönem Wetter und bestem Ambiente ein Segelerlebnis zu Ende, bei dem wir auch an der Kreuz ein ordentliches Ergebnis erzielten, indem wir mit einer Ausnahme nach gesegelter Zeit alle anderen 40- bis 46-Fuß- Boote hinter uns ließen. Und erholsam war es allemal: Indem du dich auf See nur auf das Boot und die grundlegenden Dinge des täglichen Lebens konzentrierst, reinigst du deinen Kopf, und davon zehre ich immer noch.

Dirk Stücker